Die Vitra Ampelphase
Unter der Überschrift Ampelphase finden seit 2007 Inszenierungen der sechs zur
Gutleutstraße ausgerichteten Schaufenster im Showroom von Vitra statt. Architektur- und
Designbüros werden eingeladen, die Fensterboxen mit ihren Arbeiten und Konzepten zu
bespielen.
FRAME – ist ein Beitrag von Andreas Moser aus dem Architekturbüro cyrus moser architekten
in Kooperation mit Jue Löffelholz. Für die aktuelle Ampelphase 6 mit der Überschrift ´Einblicke
– Ausblicke´, stellt er in sofern ein Novum dar, als dass das Projekt den Showroom verlässt
und in drei Etappen auf innerstädtischen Frankfurter Plätzen inszeniert wird, um sich von hier
wieder zurück in den Showroom einzuspielen.
 

 

///////////////von über zu mit
FRAME ist der Ausschnitt eines beinah maßstäblich duplizierten Fassadenelements, bzw.
Schaufensters des Vitra-Showrooms Frankfurt. Als urbane Möblierung und soziale Interaktion
spielt der gedoubelte Rahmen nicht nur in den öffentlichen Raum hinein, indem charakteristische
Ausschnitte des Frankfurter Stadtbildes in Szene gesetzt werden, sondern versteht
das Projekt sich als perfomative Skulptur, die von der Öffentlichkeit auf unterschiedliche Weise
in Besitz und in Gebrauch genommen werden kann und soll.* Wer will, ist eingeladen, Fotos
zu machen und über einen QR-Code auf eine Homepage zu schicken.
Die hochgeladenen Bilder werden in-time auf zwei Monitore im Vitra-Showroom übertragen,
ausgedruckt und sollen später als Buch publiziert werden. Mit unserem Projekt geht
es damit auch um ein Spiel mit den Perspektiven: Inside-out und Outside-in.
FRAME sind zwei mit einer Rose bepflanzte Poller angegliedert. Der eine Poller steht in
direkter Umgebung des jeweiligen FRAME-Standortes, der zweite auf dem Gehsteig vor
dem Schaufensterausschnitt, den Vitra uns für unsere ´Auslage´ zur Verfügung gestellt hat.
Die Neugestaltung des Pollers kann nicht nur als ein wieder aufgenommenes und weitergeführtes,
ebenso humor- wie phantasievolles Statement der Kabouterbewegung zur Stadtbegrünung
- Stichwort Urban Gardening - gelesen, sondern auch als ein Zeichen für direkte
Architektur verstanden werden, das die Aufmerksamkeit auf eine scheinbar gestalterische
Nebensache lenkt. Aber auch so, dass die Zeit, die man für seine Rose verloren hat, die eigentlich
Wichtige ist. (Saint-Exupéry)
Für weitere Informationen besuchen Sie bitte die Homepage des Vitra-Showrooms zur
Ampelphase 6 oder die Seite von cyrus moser architekten, schreiben uns eine Mail oder
rufen uns gerne an.
* Auf dieses Moment zielt die Unterzeile „von über zu mit“, die sich auf Ausstellungspraktiken Harald Szeemann´s
bezieht und die Frage, wie ein Transport von der Vision zum Entwurf, von der Konzeption zur Station gelingt und
wie gewährleistet sein kann, dass der Erfolg eines kulturellen Engagements dazu führt, auch „anderen die Dinge
zu ermögichen“ (Szeemann).

 

///////////////Von über zu mit
Andreas Moser
Architekt und Geschäftsführer von cyrus moser architekten, einem europaweit tätigen
architekturbüro mit realisierten Projekten in Deutschland, Luxemburg, der Schweiz
und Österreich, in dem derzeit 14 Mitarbeiter in verschiedenen Projektteams arbeiten.
Einem integrativen Ansatz verpflichtet, arbeiten die Teams des Büros bei allen Projekten
eng mit Fachingenieuren, Künstlern und Spezialisten anderer Disziplinen zusammen. Die
Arbeiten dokumentieren den Ansatz einer vom Konzept bis zum Detail ganzheitlichen
Entwurfsmethodik. Die Suche nach einem kontextbezogenen Dialog, einer räumlichen
Identität bei gleichzeitiger struktureller Offenheit, der Angemessenheit im Verbrauch von
Ressourcen und der Präzision in der Umsetzung kennzeichnen die stilbildenden Elemente
der Architekturen.


Jue Löffelholz
Diverse Bücher, u.a.: Wie nicht wirklich sprechen – Comment ne pas réellement parler, 2010;
The vex Chumps quickly In, 2011; Inframince, 2012; m c v, 2012, Ausstellungsbeteiligungen
mit Arbeiten u.a. für A Word And A Play, La Kunsthalle Mulhouse, centre d’art contemporain,
Mulhouse 2012, If anyone answers no: scream, Oslo10, Basel 2013; BYOB, Haus für
elektronische Künste, Basel 2013 oder Lectures wie zuletzt The Poet and I Don’t Know
What (Betwixt and Between Signs), Godwin-Ternbach Museum and the Department of
Comparative Literature, Queens College, New York, 2012. Arbeitet bevorzugt mit Sehund
Hörresten, dem Hapax, mit Strata und dem ´Ich-weiß-nicht-was´.


Wir bedanken uns
Adrian Eichhorn Holzwerkstätte GmbH & Co. KG
Industriestraße 38, 63607 Wächtersbach
 

Erdel Metallbau GmbH
Auf der Herrnmauer 12, 65779 Kelkheim im Taunus
 

IBC Ingenieurbau-Consult GmbH
55116 Mainz, Romano-Guardini-Platz 1
 

4wd media GmbH & Co. KG
Niederlassung Darmstadt, Spreestraße , 64295 Darmstadt
 

Malerwerkstätten Mensinger GmbH
August-Schanz-Straße 80, 60433 Frankfurt am Main
 

Samsung Electronics GmbH
Am Kronberger Hang 6, 65824 Schwalbach/ Ts.
 

Schreinerei Fa. Julius Priester
Weilstr. 9, 61267 Neu-Anspach

und dem
Vitra-Team Frankfurt

 

 

 

///////////////FRAMEWORK
Fragmente
Bei dem Framework handelt es sich nicht nur um eine Verdopplung der nachgebauten Fassade als Kopie
– und damit inhaltlich einer Referenz zur Reproduktivität der Vitra-Objekte als Nachbauten, sowie
rein inhaltlich um ein Moment der Rekuperationskunst – sondern wird der Aspekt des Zitats auch als
der Architektur inhärentes Prinzip artikuliert (u.a. Gedächtnisbildung durch Wiederholungen; Kontext
des Zitierten wird aufgebrochen, ab- bzw. umgewendet; Export, Import: versetzt und eingesetzt zeigt
das Zitat in anderen Konstellationen durch Anknüpfung neue inhaltliche Verbindungen).
Das Fassadenobjekt/ Schaufenster hat als architektonische Struktur im öffentlichen Raum eine durchaus
praktische Funktion: Passanten können und sollen das Objekt in Besitz nehmen: als Verabredungspunkt,
als Sitzgelegenheit, als Kulisse bzw. rahmenbildendes Element für Snapshots, als Wand
zur Beposterung, für Kinder als Spielgerät. Das fehlende Glas macht es möglich, durch die eingerahmte
Leerstelle hindurchzutreten. Das Schaufenster öffnet sich, man kann in die „Auslagen“ der
Stadt, das Stadtbild selber eintreten.
Steht man nicht vor einem Schaufenster wie vor einem Spiegel (Pistoletto)? Muss man sich nicht
umdrehen und fortgehen, um in es bzw. ihn eintreten zu können? Auch diesen Punkt spiegelt unserer
Projekt: Denn das eingesandte digitale Fotomaterial, das über einen Präsentationsmonitor im Vitra-
Ausstellungsraum eingespielt und laufend aktualisiert wird, zeigt etwas, das im Raum eigentlich gar
nicht stattfindet, wendet den Blick des Betrachters in den hinter ihm liegenden öffentlichen Raum. Der
Betrachter blickt gewissermaßen nach außen, in die Stadt hinein. Sein Blick wird in den städtischen
Raum, auf ein städtisches Mobiliar umgekehrt. Unsere Gestaltung stellt so, wie schon geschrieben,
eine veränderte Perspektive her. Sie verschiebt die Position des Betrachters auf das Betrachtete. Sie
schafft eine andere physische Umgebungen, an der sich andere Sinneswahrnehmungen orientieren
können (als vor einer Schaufensterscheibe).


 

Poller

Als Zugabe zu dem Projekt, beigegebenes Wiedererkennungsmerkmal und als Fünfter Vorschlag zur
Verbesserung von Modern widmen wir uns in unserer Gestaltung einem Objekt des Nebenumstands.
In Form einer Gestaltung, die in ihrer Aufmerksamkeit bei dem am Rand Vergessenen, dem Unauffälligen,
Poveren, bei der so genannten Kleinigkeit verharrt, dem, was im Abseits steht und im offiziellen
Verständnis oft als bedeutungslos gilt: der Gestaltung eines Pollers. So wie die Glasscheibe definiert
auch der Poller eine Grenze, einen einzuhaltenden Abstand. Dies oft in Form eines eisernen Pfosten,
der die Koordinaten des städtischen Verkehrs definiert. Auch als Referenz zum Amsterdamer Kabouterhumor
und den hier formulierten Vorschlägen, die Hauptverkehrsstraßen tiefer zu legen und alle
Autos mit bepflanzbaren Dachgepäckträgern zu versehen um dadurch einer grünen Stadt „Vorfahrt“
zu geben, mit Zürich im Hinterkopf, wo die Grünflächen, zum Beispiel auf Verkehrsinseln mit Kräutern
bepflanzt werden, aber auch der selbstinitiativen Bepflanzung des Mittelstreifens auf der Friedberger
Landstraße etc., übertragen wir diesen Gedanken der Stadtbegrünung auf die Realisierung des Frankfurter
Pollers. Die Rose, die zum Beispiel eingepfanzt werden könnte, verstanden dabei als Zeichen
tausendfach verschenkter Liebe (jener Liebe als einer Gabe, die im Detail steckt). Eine Rose für direkte
Gestaltung, wie Beuys vielleicht gesagt hätte. Aber auch der Kleine Prinz spielt mit…
„In diesem schwarzen oder lichterfüllten Loch (dem Schaufenster) lebt das Leben, träumt das Leben,
leidet das Leben.“ (Charles Baudelaire 1863).
Das Schaufenster als „Kulturfaktor“ (Deutscher Werkbund).
Das Schaufenster ist ein von der Kontingenz der Straße gesonderter, institutionalisierter Raum. (Link-
Heer)
Vom „Eindringen der Schaufenster in die Fassaden“ spricht Walther Benjamin. Davon, dass die Fassaden
als Stadtbild selbst zur Ware werden, andere.


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Andreas Moser
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